Paul Biedermann versucht, sich auf den Rio-Rhythmus einzustellen

by Daniela Kapser 0

March 14th, 2016 Deutsch

 

In einem Interview/Bericht der FAZ vom 4.3.2016 sind die Erfahrungen von Paul Biedermann mit dem ersten Training im “Rio-Rhythmus”, aber auch Erkenntnisse von Ärzten und Trainern.

Wie SwimSwam Deutsch bereits berichtete, steht Weltrekordhalter Paul Biedermann genau wie alle anderen Schwimmer in Rio vor dem Problem, Vorläufe zur Mittagszeit und Finalläufe zu nachtschlafener Zeit schwimmen und dabei Höchstleistungen abliefern zu müssen. Aus diesem Grund hat Bundestrainer Henning Lambertz alle Top-Schwimmer und ihren Trainer empfohlen, einmal im gewohnten Umfeld diese ungewöhnlichen Zeiten für ca. 1 Woche in ihr Trainingsprogramm einzubauen. In Magdeburg haben Franziska Hentke und ihr Trainer Bernd Berkhahn schon ihren ersten Versuch unternommen – ungewohnt fanden sie es und Franziska hatte Schlafprobleme. Für Paul hieß dies ab dem 10.02 für eine Woche, wie die Mitteldeutsche Zeitung in einem Artikel berichtete: Zur Mittagszeit ging es erst zur ersten Trainingseinheit ins Wasser und nicht wie gewohnt noch vor dem Sonnenaufgang. Trainer Frank Embacher sagte: „Wir haben keine Erfahrungen, sind noch nie zu solch ungünstigen Zeiten einen Wettkampf geschwommen.“ Die zweite  Trainingseinheit fand während der Testwoche zwischen 22.00 und 0.000 Uhr statt – also zur Zeit der Finalläufe in Rio. Für die deutschen Fernsehzuschauer wird es auch hart: Die Finalläufe werden ab 3.00 Uhr morgens im Fernsehen gezeigt.

Aber nicht nur die Trainingszeiten, auch der komplette Tagesablauf inklusive Schlaf- und Essenzeiten muss umgekrempelt werden. Denn in Rio kann es sein, dass die Schwimmer nach den Endläufen noch zur Siegerehrung und Dopingprobe müssen und dann nicht vor 3.00 Uhr morgens im Bett sind – um 12.00 Uhr am nächsten Tag geht es mit Vorläufen weiter, ein anstrengendes Programm für Vielstarter. Einen nächsten Testlauf will Paul Biedermann zwischen den Deutschen Meisterschaften und den German Open starten und dann will er mit Teamkameraden oder Staffelkollegen aus der Nationalmannschaft trainieren – diese erste Woche absolvierte er im Alleingang. Bei der Fortsetzung sollen dann ebenfalls medizinische Daten erfasst werden.Verbandsarzt Michael Ehnert hat aber schon bei diesem ersten Testlauf einen Fragebogen zur Verfügung gestellt, der einige Grundinformationen über Ruhepuls oder Vitamin-Status abfragt.

Der Hauptgrund für diese ungewöhnlichen Zeite sind, dass der TV Rechteinhaber NBC dem heimischen Publikum in den USA die Schwimmrennen zur besten Sendezeit servieren kann. „Wenn man die Athleten aus ihrem gewohnten Trainingsrhythmus rausreißt, nur um es dem US-Fernsehen recht zu machen, das hat dann nicht mehr viel mit Respekt zu tun“, sagte Paul Biedermann im Interview gegenüber der FAZ:: „Es ist einfach nur schade, dass mal wieder an alle gedacht wurde, nur nicht an die Athleten. Olympische Spiele sind für die Athleten und nicht für große Sponsoren.“  Bei den Trainingseinheiten zu den ungewöhnlichen Zeiten soll lt. Verbandsarzt Dr. Michael Ehnert vor allem auch der Kopf beruhigt werden. Die FAZ zitiert Dr. Ehnert: „Je mehr Risikofaktoren ich kenne, desto besser kann ich damit umgehen.“ Trotzdem sind wichtige Fragen zu beantworten, die die Leistungsfähigkeit der Athleten beinflussen: Welche Auswirkungen hat der veränderte Rhythmus auf Schlaf und Regeneration? Wie reagieren die Körper der Spitzenathleten auf die nächtlichen kohlenhydratreichen Mahlzeiten? Wie steht es um Konzentration, Reaktionszeiten und Leistungsfähigkeit?

Um zu aussagekräftigen Erkenntnissen zu kommen, bezieht man sich sogar auch auf die Daten von Schichtarbeitern – danach ist eine Umstellung nicht einfach, aber man kann sich dran gewöhnen. Jedoch sind solche Erfahrungen nicht so einfach auf Top-Athleten umzusetzen, deswegen begleitet Dr. Ehnert das “Nachttraining” der Schwimmer mit einer Beobachtungsstudie, lässt Blutwerte testen, den Ruhepuls messen und lässt auch die subjektiven Empfindungen der Sportler nicht außer acht. Erste Erfahrungen liegen schon vor: Manche hatten wie Franziska Hentke Einschlafprobleme, andere bekamen Heißhungerattacken oder Energielöcher. Ehnert resümiert:  „Gerade Frauen scheinen das generell etwas leichter wegzustecken als Männer.”

Aber auch Paul Biedermann kam ganz gut zurecht mit der ersten Testwoche, Aufstehen um 10.30 Uhr, 12 Uhr Frühtraining – also zu der Zeit, zu der in Rio die Voräufe stattfinden werden, 18.00 Uhr Mittagessen, 22.00 Uhr zweite Trainingseinheit – wenn es in Rio in den Endläufen ersnt wirde. „Das war schon eine Umstellung, aber mein Körper kann darauf anscheinend relativ schnell reagieren.“ Trotzdem glaubt der 29-Jährige, dass sich der Wettkampfplan „ein bisschen“ auf die zu erwartenden Leistungen auswirken werden.
Biedermann’s Trainer Frank Embacher glaubt, dass es für die Schwimmer schwierig wird, um 12.00 Uhr mittags bei den Vorläufen ihre Leistung abzurufen, “weil der Biorhythmus dann völlig im Keller ist“. Damit dies nicht passiert, wird das deutsche Team drei Wochen vor den ersten Wettbewerben in Rio nach Florianópolis in Brasilien reisen und mit der Umstellung beginnen. Embacher findet es weiterhin wichtig, dass Paul in der nächsten Testphase in Deutschland nicht alleine trainiert, sondern mit anderen Schwimmern des Nationalteams. Und in der näcshten Phase geht es dann auch darum, konkrete Hilfsmittel zu testen, z.B. pflanzliche Einschlafhilfen wie Melisse oder Baldrian.

 

Bericht der FAZ vom 4.3.2016

Biedermann trainiert im Rio Rhythmus.

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