Henning Mühlleitner: “Ich habe den Moment maximal genießen können” (Rennvideo)

by Daniela Kapser 0

July 25th, 2021 Deutsch

Olympische Spiele 2020 in Tokio

Im gestrigen Finale über 400 m Freistil startete Henning Mühlleitner auf der Bahn 4 des Vorlaufschnellsten. Dies erreichte er in neuer persönlicher  Bestzeit von 4:43,67. Mit dieser Zeit steht er auf Platz 2 der ewigen deutschen Bestenliste, direkt hinter Weltrekordhalter Paul Biedermann. Dieser zweite Platz bedeutet aber auch: Henning Mühlleitner ist der schnellste Deutsche über dies Strecke nach der Ära der “Hightec-Anzüge” im Jahr 2009. Denn Biedermann stellte seinen immer noch gültigen Weltrekord von 3:40,07 in eben diesem Anzug auf. Und Mühlleitner steht zusätzlich jetzt auf Platz 20 der ewigen Weltbestenliste.

Jahrhundertbestenliste Deuschland (ab 2000)
1 Biedermann, Paul 86 SV Halle/S. 3:40,07 7/09
2 Mühlleitner, Henning  97 Neckarsulmer Spo 3:43,67 7/21
3 Vogel, Florian 94 SG Stadtwerke Mü 3:44,89 5/16
4  Wellbrock, Florian 97 SC Magdeburg 3:45,59 4/19
5 Zellmann, Poul 95 SG Essen 3:47,14 8/14

 

Im Interview mit der ARD erzählte der 24-Jährige, dass er sehr zufrieden sei und alles gegeben hat. Auch mit Paul Biedermann habe er gesprochen, mit ihm habe er in der Vergangenheit  ein paar Mal trainieren dürfen. Nach seinem Sieg in den Vorläufen wurden direkt Stimmen laut, dass er dem deutschen Schwimmsport nun einen großen Auftrieb bescheren würde. Mit so einer Verantwortung könne er umgehen, ihm wäre auch klar geworden, dass er jetzt nicht mehr unter dem Radar schwimmen würde. Ein Gespräch mit Doppel-Weltmeister  Florian Wellbrock hätte ihn aber wieder “geerdet” und er sei gut eingeschlafen nach dem aufregenden Vorlauf. Allgemein sei die Stimmung im deutschen Team sehr gut, man würde zusammenhalten und sich gegenseitig unterstützen.

“Ich bin mega happy mit dem Rennen und mit dem was ich erlebt habe und dass ich einfach mega Spaß hatte“, sagte Mühlleitner anschließend im Interview mit dem DSV. Für die Vorbereitung auf das Finale stellt der 24-Jährige von der Neckarsulmer Sport-Union sein Handy aus, spielte nach dem Abendbrot mit seinem Zimmernachbarn Marco Koch noch ein Würfelspiel, um nach einer eher unruhigen, aber guten Nacht erneut zu glänzen. „Kurz bevor ich rausgelaufen bin, habe ich dann doch gemerkt: Das wird spannend. Aber ich habe trotzdem mal kurz gelächelt unter der Maske und habe den Moment maximal genießen können“, erzählte Mühlleitner. Von seiner Mutter wüßte er, dass sie immer viel zu aufgeregt sei, um sich seine Rennen live anzusehen und währenddessen im Garten ihre Runden drehen würde.

Das Rennen teilte sich Mühlleitner ähnlich wie im Vorlauf ein, in der zweiten Rennhälfte kam er immer näher an die Führenden ran. Auf die Frage eines Reporters, ob zehn Meter mehr vielleicht für die Medaille gereicht hätten, antwortete Mühlleiter gelassen: „Also ich finde es witzig, wie man dann nochmal die Energie herziehen kann auf den letzten 50 Metern. Da haben wir ja alle plötzlich nochmal Energie gehabt. Zehn Meter länger ist egal, die Bahn ist 50 Meter lang und da zählt es, wer als Erstes die Hand an die Wand kriegt und ich war halt der Vierte heute, so ist das.“  Diese Einstellung zeichnet den 24-Jährigen aus und trifft: Er hat zweimal mit herausragenden Leistungen geglänzt und seinem Team eine Menge Auftrieb mitgegeben.

Der Student der Wirtschaftsinformatik brachte auch die Tatsache, dass seine Vorlaufzeit zu Bronze gereicht hätte, nicht aus der Ruhe: “Heute früh war ein neues Rennen. Ich habe mir auch Szenarien ausgemalt, dass wir heute plötzlich nur noch 3:46 schwimmen und dass da die Medaillen weggehen. Oder plötzlich kommt einer, wie jetzt der Tunesier ganz überraschend auf der Außenbahn, und schwimmt nochmal eine schnellere Zeit heute früh.“

You Tube courtesy of  Eurosport

400m Freistil Männer Schwimmen | Final Highlights | Olympische Spiele – Tokyo 2020 – YouTube

 

 

 

 

 

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