Missy Franklin über ihre Leihmutter und den Misserfolg in Rio

by Daniela Kapser 0

January 20th, 2017 Deutsch

US Schwimmstar  Missy Franklin hat in einem Artikel, den sie für das Wall Street Journal geschrieben hat, zum einen ihr Abschneiden bei den Olympischen Spielen in Rio reflektiert, zum anderen erzählt sie, wie auch schon in ihrem Buch “Relentless Spirit”, dass eine Leihmutter sie zur Welt gebracht hat.

Missys Mutter, D.A. Franklin, erfuhr schon als Teenager von einem Arzt, dass es sehr unwahrscheinlich wäre, dass sie ein Kind austragen könnte. So engagierten sie und ihr Mann, Dick Franklin, sich sehr stark in ihren Berufen, sie reisten viel –  bis sie schon jenseits der 40 beschlossen, ein Kind zu adoptieren oder es mit einer Leihmutterschaft zu versuchen. Missy schreibt, dass ihre Eltern immer sehr offen mit diesem Thema umgegangen wären und ihre Leihmutter jetzt ein besondere Freundin der Familie sei.

Missy betont in dem Artikel, wie eng sie mit ihren Eltern verbunden ist und dies ist ebenfalls eine Kernaussage in ihrem Buch “Relentless spirit – The unconvential raising of a champion”. Sie schildert in dem Buch ihren Weg bis London und dann bis Rio –  auch ihre Eltern kommen zu Wort und beschreiben ihre Erlebnisse und Sichtweisen. D.A. und Dick Franklin nahmen sich immer sehr viel Zeit für ihre Tochter und stellten ihre beruflichen Ambitionen zeitweise hinter Missys Schwimmkarriere zurück. Ihre Mutter D.A. ist Ärztin, der Vater ein Top-Manager.

Während Missy im Vorfeld der Olympischen Spiele bei den US Trials und auch während der Spiele keine Erklärung fand für ihre Leistungen, die weit von Bestzeiten entfernt waren, so hat sie mit etwas Abstand erkannt, dass sie zum einen den Wechsel ins Profi Lager und damit verbundene Verpflichtungen und zum anderen die Rückkehr nach Colorado in ihr “altes Leben” unterschätzt hatte.

Nach den Weltmeisterschaften 2013 in Barcelona begann Missy Franklin ihr Studium an der University of California in Berkeley und schwamm dort zwei Jahre mit dem Collegeteam in der NCAA. Sie studierte Psychologie, trainierte mit anderen Topschwimmern, war zum ersten Mal von Zuhause weg, lebte auf dem Unicampus.

Nach den Olympischen Spielen hatte sich Franklin gegen eine sofortige Profi Karriere entschieden und somit natürlich auf eine Millionengage aus Werbegeldern verzichtet. Sie hatte sich aber bewusst entschieden, an den Teamwettbewerben in der NCAA teilzunehmen und tatsächlich konnte das Team der Golden Bears 2015 den Titel gewinnen – mit einer überragenden Missy Franklin.

Danach wurde sie Profi – in der NCAA College Liga dürfen nur Amateure starten. Sie entschied sich, mit ihrem Trainer Todd Schmitz, der sie zu 4 olympischen Goldmedaillen geführt und seit ihrem 7. Lebensjahr trainiert hatte, bis zu den Sommerspielen in Rio zu trainieren und wieder bei ihren Eltern zu wohnen.

Im Nachhinein sagt sie, dass dies nicht die richtige Entscheidung war – sie habe ihre neuen Freunde aus Berkeley sehr vermisst und hätte ein ganz anderes Leben in Berkeley geführt. Nach Rio ist sie wieder dorthin zurückgekehrt und trainiert dort in einem Profiteam mit Coach Dave Durden.

Über 2016 sagt sie: “Ich musste lernen, mit meinem Scheitern umzugehen und es war keine leichte Zeit. Ich musste einen Weg finden, mit Enttäuschungen umzugehen. Das Schlimmste ist, dass das Versagen vor Millionen von Menschen passiert ist.” Bei den Olympischen Spielen erreichte sie weder über die 200 m Freistil noch über die 200 m Rücken das Finale – 2012 in London hatte sie Gold über 100 m und 200 m Rücken gewonnen sowie Gold in der 4 x 100 m Lagenstaffel und in der 4 x 200 m Freistilstaffel – mit dieser gewann sie auch in Rio Gold, allerdings entschieden die Trainer, dass sie nur im Vorlauf starten dürfe.

Die sonst so unbekümmerte und stets lachende Franklin sagt in ihrem Buch, dass sie regelrecht Panik vor ihren Starts in Rio gehabt hat. Nun hat Missy Franklin sich jedoch entschieden, die negativen Erfahrungen zu nutzen, um eine besserer Mensch und ein besserer Athlet zu werden. Sie betont aber auch, dass sie wieder lernen müsse, den Schwimmsport zu lieben.

 

 

 

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