Beispiel Michael Phelps: Sport kann die Psyche angreifen

by Daniela Kapser 0

March 10th, 2018 Deutsch

Unter dem Titel “Erfolgsdruck, Zeitaufwand, Traumata: Sport kann die Psyche angreifen” veröffentlichte die Medical Tribune einen Artikel zum Thema Psychische Erkrankungen im Sport (Autor: Michael Brendler).

Schwimmer wie die Amerikaner Michael Phelps und Allison Schmitt berichteten ganz offen von ihren psychischen Problemen, Olympiasieger Phelps gab sogar zu, Selbstmordgedanken gehabt zu haben. Tragisches Beispiel für einen Sportler, der unter Depressionen litt und sich selbst tötete, ist der ehemalige deutsche Nationaltorwart Robert Enke.

In dem Artikel wird gefolgert, dass der Leistungsdruck die Krankheitsgenese fördern kann, dass aber eine psychische Störung kein Leistungshindernis sein muss, was die Erfolgsgeschichte des 23-maligen Olympiasiegers Phelps beweist.

Im Artikel werden Autoren um Dr. Oliver Hennig­ vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit der medizinischen Fakultät in Mannheim zitiert: “Es stellt sich die Frage, warum die dem Sport zugeschriebene präventive und kurative Wirkung bei Leistungssportlern nicht oder nur bedingt zu greifen scheint.“

Ein Grund könnte sein, dass die mit dem “Hobby Leistungssport” verbundene starke Fokussierung und der hohe Zeitaufwand Jugendliche aus der Bahn werfen könnte. Jungen Menschen, die stark in eine Sportart eingebunden sind, bleibt oft nur sehr wenig Zeit für private Kontakte. Sie definieren sich ausschließlich über die körperliche Leistung und den damit verbundenen Erfolg.

Häufig entstehen dann Depressionen, wenn der Sportler verletzt ist oder den Sport beendet.

Die Autoren bemerken, dass Persönlichkeitseigenschaften wie starkes Erfolgsstreben und Perfektionismus zwar den Einstieg in eine sportliche Karriere fördern, aber ebenfalls eine Achillesferse für die Entwicklung psychischer Erkrankungen darstellen.

Oftmals sei eine Rolle manchmal dem Umfeld zuzuschreiben, das den Erfolgsdruck – unter dem gerade junge Sportler oft leiden – maßgeblich prägt. Die Autoren stellten offenbar fest, dass die Wettkampfangst von Kindern steigt, wenn beide Elternteile zuschauen. Ebenfalls erhöhten kritische Äußerungen über die Leistungen der Kinder deren psychische Belastung.

Dr. Henning und Kollegen stellten bei einer Untersuchung der Teilnehmer von olympischen Ausscheidungs-Schwimmwettkämpfen fest, dass VOR dem Ereignis 68 % der Athleten die Diagnosekriterien einer Major Depression erfüllten. Nach dem Wettbewerb waren es immer noch 35 %.

Auch andere Leistungssportler, schreiben Dr. Hennig und Kollegen, wiesen in Wettkampfphasen Angstsymptome wie “Herzklopfen”, innere Unruhe oder Magenschmerzen auf.

Die Autoren sind der Meinung, dass sich neben Medikation und Psychotherapie  der Sport selbst für die Behandlung nutzen lässt. “So könne beispielsweise der Trainingsschwerpunkt auf die Verbesserung der Körperwahrnehmung, des -bewusstseins und der subjektiv empfundenen Vitalisierung gelegt werden, wodurch Betroffene einen neuen Zugang zum Sport und zu sich selbst erhalten.”

Als Präventionsmaßnahmen empfehlen die Wissenschaftler, dass sich alle Beteiligten auf die ursprüngliche Bedeutung des Wortes “Sport”, nämlich “Zeitvertreib, Vergnügen” zurückbesinnen und beim Training und bei den sportmedizinischen Untersuchungen nicht nur auf die Fitness zu achten.

(Quellenangabe des Artikels in der Medical Tribune: Hennig O et al. DNP 2017; 18: 36-42)

 

 

 

 

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